Backsteinflächen, klare Linien und Räume, die auch ein Jahrhundert nach ihrer Entstehung nichts von ihrer wegweisenden Vision verloren haben. Wer sich mit der Architektur der Moderne beschäftigt, begegnet früher oder später den Bauten von Ludwig Mies van der Rohe und den gestalterischen Konzepten von Lilly Reich. Genau dieser Erfahrung widmete sich die gemeinsame Architekturexkursion der wissenschaftlichen Mitarbeitenden der Stiftung Findeisen und des Büros Schmale Architekten, die am 27. Februar nach Krefeld führte.
Unser erstes Ziel war die Ausstellung „L’Art d’habiter / Die Kunst des Wohnens“ im Kaiser Wilhelm Museum, die sich dem Verhältnis von Wohnkultur, Gestaltung und Lebenspraxis widmet. Hier wurde bereits deutlich, wie stark Architektur, Innenraum und Objektgestaltung historisch miteinander verschränkt sind, insbesondere im Umfeld der klassischen Moderne.
Im Anschluss führte uns die Exkursion weiter zu den nahegelegenen Villen Haus Lange und Haus Esters, die zwischen 1927 und 1930 von Ludwig Mies van der Rohe für die Seidenfabrikanten Hermann Lange und Josef Esters entworfen wurden. Die beiden Bauten gelten heute als Schlüsselwerke der frühen Moderne und zeigen exemplarisch die konsequente Reduktion auf klare Geometrien, präzise Proportionen und eine differenzierte sowie ostentative Materialität.

Durch die Gebäude führte uns Markus Schmale, der nicht nur bauhistorische Hintergründe erläuterte, sondern vor allem die erstaunliche Aktualität der Entwürfe hervorhob. Besonders eindrücklich wurde dies an scheinbar beiläufigen Elementen wie den Garagen oder den streng komponierten Fassaden. Dabei betonte er:
„Diese Gebäude sind fast hundert Jahre alt und entstanden in einer Zeit, in der noch Kutschen unterwegs waren. Dennoch sprechen sie eine formale Sprache, die ebenso gut aus unserer Gegenwart stammen könnte. Auch in weiteren hundert Jahren wird diese Architektur nichts von ihrer Präzision verloren haben.“
— Markus Schmale (Dipl.-Ing, Architekt BDA)
Gerade diese Gleichzeitigkeit von historischem Kontext und formaler Gegenwärtigkeit machte den Rundgang zu einer eindringlichen räumlichen Erfahrung. Die Architektur wirkt nicht museal, sondern präsent. Die Zusammenarbeit von Mies van der Rohe mit der Gestalterin Lilly Reich, die maßgeblich an Innenraumkonzepten und Möblierungen beteiligt war, unterstreicht zusätzlich den ganzheitlichen Anspruch der Entwürfe, in denen Architektur, Design und Nutzung als zusammenhängendes System gedacht werden.

Die gemeinsame Anreise in Fahrgemeinschaften und das kompakt gestaltete Programm ermöglichten einen intensiven fachlichen Austausch und verwandelten den Tag von einer reinen Besichtigung in eine gemeinsame Reflexion über Architektur als zeitübergreifende Disziplin. Die Mitarbeitenden bedankten sich am Ende erneut bei Frau Sardelis-Schmale für die kulinarische Stärkung, bei Herrn Schmale für die lebendige Führung sowie bei Frau Grannemann für die Planung der gelungenen Veranstaltung.
