Wie kann Architektur auf Wohnungslosigkeit reagieren? Und was lässt sich aus den Erfahrungen von Menschen lernen, die ohne festen Wohnsitz leben? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Ausstellung „Leben unter demselben Himmel“, die vom 5. bis 9. August 2026 an zwei Orten in Köln zu sehen war. Studierende der Fakultät für Architektur der TH Köln setzten sich darin mit den räumlichen und gesellschaftlichen Bedingungen von Wohnungslosigkeit auseinander.
Ein Teil der Ausstellung war im Forum der Stiftung für Kunst und Baukultur Britta und Ulrich Findeisen zu sehen. Präsentiert wurden unter anderem Entwürfe für temporäre Notunterkünfte und Wohnangebote sowie eine Kartierung von Unterstützungsangeboten für wohnungslose Frauen in Köln. Im Projektraum „Unser Ebertplatz e.V.” ergänzten künstlerische Arbeiten und Interventionen die architektonische Perspektive.
Von Gesprächen zu konkreten Entwürfen
Besonders anschaulich wurde die Verbindung zwischen den Erfahrungen wohnungsloser Menschen und architektonischer Gestaltung an einer Installation aus IKEA-Tüten. Eine Gruppe von Studierenden sprach im Rahmen des Projekts mit Menschen, die auf der Straße leben. Dabei erfuhren sie, dass der Wind in provisorischen Behausungen häufig ein großes Problem darstellt.
Aus dieser Beobachtung entstand die Idee, aus den robusten IKEA-Tüten eine einfache, mobile Behausung zu entwickeln. Die Konstruktion bietet neben einem geschützten Innenraum auch Stauraum und Fenster. Der Entwurf zeigt beispielhaft, wie aus einer konkreten Alltagserfahrung eine architektonische Fragestellung und schließlich ein gestalterischer Lösungsansatz entstehen kann.

Perspektiven sichtbar machen
Auch einige Plakate der Ausstellung stellten die Perspektiven wohnungsloser Menschen in den Mittelpunkt. Zitate und Inhalte beschäftigten sich mit persönlichen Erfahrungen, den Wegen in die Wohnungslosigkeit und dem Leben auf der Straße. Damit richtete sich der Blick nicht ausschließlich auf die Frage, welche räumlichen Angebote geschaffen werden können, sondern auch auf die Menschen, für die diese Angebote gedacht sind.
Die Ausstellung verband damit wissenschaftliche Auseinandersetzung, architektonischen Entwurf und persönliche Perspektiven. Sie machte sichtbar, dass Fragen nach Wohnraum und öffentlichem Raum immer auch Fragen nach Teilhabe, Schutz und gesellschaftlicher Verantwortung sind.

Ein gemeinsamer Blick auf die Stadt
Bereits zur Eröffnung am 5. August verband ein gemeinsamer Stadtspaziergang die beiden Ausstellungsorte am Ebertplatz und in der Venloer Straße. Die unterschiedlichen Arbeiten wurden dadurch nicht isoliert betrachtet, sondern in Beziehung zu ihrem städtischen Umfeld gesetzt.
Am Sonntag, 9. August, fand die Ausstellung mit einer Finissage und einem Podiumsgespräch im Forum der Stiftung Findeisen ihren Abschluss. Am folgenden Montag wurden die Arbeiten abgebaut.
Mit „Leben unter demselben Himmel“ haben die Studierenden einen Raum geschaffen, in dem Wohnungslosigkeit aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden konnte. Die Ausstellung zeigte dabei nicht nur bestehende Probleme auf, sondern stellte auch die Frage, welchen Beitrag Architektur und Gestaltung zu einem menschenwürdigeren Umgang mit Wohnungslosigkeit leisten können.
