In stillem Gedenken

Prof. Ulrich Findeisen (21.09.1939 – 10.12.2020)

Nachruf auf den Gründer der Stiftung für Kunst und Baukultur Britta und Ulrich Findeisen, einen passionierten Architekten, lieben Freund und inspirierenden Lehrer.

Ein erfülltes Leben im Zeichen der Architektur

Die Stiftung für Kunst und Baukultur
Britta und Ulrich Findeisen trauert um

Prof. Ulrich Findeisen

Dipl.-Ing. Architekt BDA & Stadtplaner
Ehrenbürger der Stadt Löhne/Westfalen

*21. September 1939 in Rotenburg/Wümme
+10. Dezember 2020 in Bergisch Gladbach

Mit Ulrich Findeisen verlieren wir einen wundervollen Menschen, leidenschaftlichen Architekten und Stadtplaner und großen Stifter. In großer Verbundenheit gilt unser tiefstes Mitgefühl seiner Familie und den engen Begleitern seines Lebensweges. Durch seine Stiftung werden wir in großer Dankbarkeit und hohem Respekt sein Lebenswerk bewahren.

Prof. Ulrich Findeisen im Forum der Stiftung (Herbst 2019)

ERINNERUNG UND WERTSCHÄTZUNG

Am 10. Dezember 2020 ist der Architekt und Stadtplaner Prof. Ulrich Findeisen im Alter von 81 Jahren verstorben und hat sich auf seine letzte Reise begeben. Er wurde am 21. September 1939 in Rotenburg (Wümme), gelegen im Dreieck zwischen Hannover, Bremen und Hamburg, als ältester von drei Geschwistern geboren.

Heute blicken wir zurück auf Ulrich Findeisens reiches Leben und schöpferisches Wirken als Architekt und Stadtplaner, sein großzügiges Stiftertum und auf den Menschen Ulrich Findeisen, den ein enges Band mit seinen gewählten Lebensmittelpunkten verband: zunächst in Berlin und später in Köln und den anderen Orten auf dieser Welt, die ihm wichtig waren. Bis zuletzt war er ein wichtiger Gestalter und gehörter Ratgeber in seinem Metier.

Ulrich Findeisen betrachtete die Schätze der Kunst und Baukultur und das Zusammenspiel von Kunst und Architektur und er blickte auf das Leben selbst, um die Welt zu verstehen in der er lebte.

Kurt Tucholsky schrieb: Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben. Ulrich Findeisens Lebensreise war die Sehnsucht nach Erfüllung und lebenswerter Architektur. Er konnte sein Leben mit einer bewundernswerten Leichtigkeit leben und er konnte anderen Menschen ein guter, großzügiger Gastgeber sein; sie an seinen Erlebnissen, Freuden und Gedanken teilhaben lassen. Er sah die Kunst und die Architektur als existenzielle Bestandteile des Alltags, die die Umwelt eines jeden Menschen prägen.

Ulrich Findeisen hat von 1960 bis 1967 Architektur an der Technischen Universität Berlin studiert. Seine Professur erlangte er 1985 an der FH Köln für Entwerfen und Baukonstruktion. Sein Diplom zum Thema „Kurzentrum in Norddeutschland“ machte er bei Prof. Peter Poelzig, der für seine wegweisenden Siedlungs-, Wohn-  und Bildungsbauten bekannt war und ab 1954 an der TU Berlin eine Professur für Krankenhausbau  innehatte.

Im gleichen Jahr ging Ulrich Findeisen eine Partnerschaft mit der Landschafts- und Gartenarchitektin Britta Wagenknecht ein. Die gebürtige Berlinerin und studierte Kunsterzieherin wurde 1967 seine Ehefrau. Beide wirkten in Berlin bis ins Jahr 1985.

ARCHITEKT IM SINNE DER LEHRE

1970 trat Ulrich Findeisen in die Architektengemeinschaft GKK und Partner (Greschik, Kälberer, Kuhlen, Findeisen, Fuhst und Vitinius) in Berlin ein, bei der er bis 1986 als Gesellschafter in der Entwurfs- und Ausführungsplanung als Projektleiter tätig war. In dieser Zeit wurde er auch Mitglied des Bundes Deutscher Architekten (BDA). Der BDA, im Jahr 1903 als Vereinigung freiberuflich tätiger Architektinnen und Architekten gegründet, tritt für eine qualitative Verbesserung der gebauten Umwelt ein. Das Credo des BDA war auch Ulrich Findeisens Bekenntnis: Neben der verbindenden Bereitschaft zum Engagement im Interesse der Baukultur und seines Berufsstandes ging es ihm auch darum, sich durch die Qualität der Bauten ebenso auszuzeichnen wie durch hohe persönliche Integrität und Kollegialität.

Fassadenauschnitt, Räume für Leben im Rhein-Kreis Neuss/Grevenbroich-Frimmersdorf (2016)

Dann folgte der Umzug in die Rheinmetropole Köln. Von 1985 bis 2004 hatte Ulrich Findeisen eine Professur an der Fachhochschule Köln an der Fakultät für Architektur für die Lehrgebiete Entwerfen und Konstruieren inne. Seine Passion für die Architekturlehre vermittelte er den wissensdurstigen Studierenden zu dem breiten Themenfeld „Praxisbezogenes Entwerfen und Konstruieren, Stimmigkeit von Entwurfsidee, Funktion, Form und Konstruktion“.

Zudem lehrte er zusammen mit Prof. Dr. Manfred Koopmann und Prof. Brigitte Caster im Bereich „Entwerfen und Baukonstruktion“ am Institut „Organisation des Baues und Projektentwicklung“ der Technischen Hochschule Köln.

Der Media Tower und die gläserne Killepitschfabrik im Medienhafen Düsseldorf (2001-2005)

EINE PASSION FÜR ARCHITEKTUR UND BAUKULTUR

Und wie es sich für einen leidenschaftlichen Architekten und Stadtplaner gehört, war er auch freischaffend tätig. Von 1986 bis 1997 ging er eine unternehmerische Partnerschaft mit seiner Frau Britta ein.

Im Jahr 1987 gründete er sein eigenes Architekturbüro in der Innenstadt von Köln mit den Schwerpunkten Wohnungs-, Bildungs-, Verwaltungs- und Städtebau. Ihr Atelier betrieb Britta Tür an Tür mit seinem Büro im Ubierring.

Darauf folgten Büropartnerschaften mit dem Architekten BDA Dr. Wolfgang Amsoneit (1999-2001) und mit dem Düsseldorfer Architekten Matthias Wächter und mit Dipl.-Ing. Markus Schmale, Architekt BDA, (2001-2005), mit dem Ulrich Findeisen bis heute ein enges Band der beruflichen wie privaten Freundschaft verbindet. Mit ihm zusammen brachten Ulrich und Britta Findeisen im Juli 2007 die Gründung der „Stiftung für Kunst und Baukultur – Britta und Ulrich Findeisen“ mit Sitz in Köln auf den Weg. Der verantwortungsvolle Umgang mit dem kulturellen Erbe, die Förderung des Architekten- und Künstlernachwuchses sowie die Wahrung des künstlerischen Schaffens der Eheleute Britta und Ulrich Findeisen bilden einen wesentlichen Teil der Stiftungsarbeit.

Der erste Ehrenbürger der Stadt Löhne

Die Enthüllung des Britta-und-Ulrich-Findeisen-Platzes in Löhne/Westf. zusammen mit Bürgermeister Heinz-Dieter Held (2014)

Neben dem neuen Stiftungssitz in der denkmalgeschützten Schweißerei-Halle in der Venloer Straße 19 in Köln-Ehrenfeld stellt die neue Musikschule der Stadt Löhne, im Mittelpunkt des städtebaulichen Entwicklungsgebiet der Stadt, ein besonderes Schaffenswerk seiner Arbeit dar. Die Musikschule bildet seit ihrer Fertigstellung im Jahr 2013 den architektonischen und kulturellen Schwerpunkt im Kontext mit der Werretal-Halle, der VHS, Jugendkunstschule, dem Kulturamt und der Stadtbücherei. Die Platzfläche vor der neuen Musikschule ist für Markt- und Stadtfestnutzungen und auch als Verweilfläche für die Bürger der Stadt vorgesehen.

Zwei Skulpturen, eine Tänzerin der Berliner Bildhauerin und Meisterschülerin der Hochschule der Künste Susanne Wehland und ein Musikant vom berühmten deutschen Bildhauer Prof. Joachim Schmettau, die Ulrich Findeisen beide sehr verehrte, aktivieren die Fläche vor der Musikschule.

Prof. Findeisen unterbreitete der Stadt Löhne das Angebot, das bereits in Grundzügen geplante Musikschulgebäude aus Mitteln der Stiftung zur Verfügung zu stellen. Der Vertrag zur Errichtung der neuen Musikschule der Stadt Löhne durch die Stiftung Findeisen wurde im Jahr 2008 geschlossen. Am 15. November 2013 wurde das Gebäude feierlich eingeweiht. Prof. Findeisen konnte auch für die städtebauliche Gesamtplanung der „Neuen Löhner Mitte“ gewonnen werden.

Wegen seiner Verdienste um den Neubau der Musikschule erhielt Ulrich Findeisen im Juli 2014 den Titel des ersten Ehrenbürgers der Stadt Löhne/Westf. und durfte sich im goldenen Buch der Stadt eintragen. Damit einher ging die Enthüllung des neuen Schildes am Britta-und-Ulrich-Findeisen-Platz, das er stolz zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Heinz-Dieter Held enthüllte.

″Der Musikant″ vor der Musikschule in Löhne von Bildhauer Prof. Joachim Schmettau, Berlin

Die Stiftung für Kunst und Baukultur Britta und Ulrich Findeisen trauert

Sein eigenes Architekturbüro, die Prof. Findeisen Architekten GmbH, betrieb Ulrich Findeisen, Dipl.-Ing. Architekt BDA und Stadtplaner, zehn Jahre lang bis in Jahr 2017.

Prof. Ulrich Findeisen hat summa summarum über 50 Jahre als Architekt erfolgreich gearbeitet. Wir blicken auf ein großes, eindrucksvolles Lebenswerk mit bemerkenswerten Projekten und Wettbewerbserfolgen zurück. Die letzten Jahre im Ruhestand widmete er sich mit all seinen Kräften seiner letzten Reise.

Mit Ulrich Findeisen verliert die Stiftung für Kunst und Baukultur, seine Angehörigen, Mitstreiter und Freunde einen liebevollen Menschen, leidenschaftlichen Architekten und Stadtplaner und großen Stifter. In großer Verbundenheit gilt unser tiefstes Mitgefühl seiner Familie und den engen Begleitern seines Lebensweges. Die Stiftung wird den Verstorbenen in ehrenvollem und dankbarem Andenken bewahren.

DER SINN DES LEBENS IST MEHR ALS DAS LEBEN SELBST.*

Im stillen Gedenken

Markus Schmale für den Stiftungsvorstand

Evagelia Sardelis-Schmale für die Stiftungsverwaltung

Bodo Druschka für das Kuratorium

 

* (Stefan Zweig zu Aristoteles „Menschsein“)

Die Trauerfeier findet am Samstag, den 19. Dezember 2020 um 11 Uhr in der Trauerhalle des Kölner Friedhofes Melaten statt. Eingang: Piusstraße. Anschließend erfolgt die Beerdigung. Bitte beachten Sie die geltenden Corona-Regeln und Hygienemaßnahmen.

Kondolenzadresse: Familie Findeisen c/o Stiftung für Kunst und Baukultur Britta und Ulrich Findeisen, Venloer Str. 19, 50672 Köln

 

Aktueller Hinweis:

Die Trauerfeier und Beerdigung von Prof. Ulrich Findeisen findet wie angekündigt statt. Bitte beachten Sie die Informationen der Stadt Köln, Friedhofsverwaltung Metalen sowie die aktuellen Verfügungen und Corona-Richtlinien des Landes NRW.

Der Schutz  der Trauergäste hat für uns oberste Priorität und setzt umfangreiche Maßnahmen voraus. Für Teilnehmer der Trauerfeier gilt das Hygiene- und Infektionsschutzkonzept des Landes NRW. Verhaltensregeln im Eingangs-und Wartebereich weisen die Besucher*innen darauf hin, dass ein Abstand von mindestens 1,5 m Metern eingehalten werden muss – sowohl zu anderen Besuchern als auch zum Personal. Einfache Mund-Nasen-Bedeckung sind in Anlehnung an die Regelung im öffentlichen Nahverkehr und dem Einzelhandel in allen Räumen Pflicht, die Niesetikette muss eingehalten werden.

Informationen über den Friedhof finden Sie unter: https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/freizeit-natur-sport/friedhoefe/adressen/melaten# 

So erreichen Sie den Friedhof

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
Bus-Linie 142, Haltestelle Geisselstraße
Stadtbahn-Linien 1 und 7, Haltestelle Melaten
Informationen zu Fahrplänen, Linien und mehr bei den Kölner Verkehrs-Betrieben:

www.kvb-koeln.de

Ein Parkplatz befindet sich in unmittelbarer Nähe des Friedhofs.

Abschied nehmen im Forum der Stiftung

Freunde und Bekannte von Prof. Ulrich Findeisen können diesem auch im Forum der Stiftung für Kunst und Baukultur die letzte Ehre erweisen.

Der Kondolenzraum zur Abschiednahme im Forum der Stiftung, Venloer Str. 19, 50672 Köln ist von Montag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Dort liegt ein Kondolenzbuch aus. Im unteren Bereich dieser Seite ist zudem  ein digitales Kondolenzbuch erreichbar.

Aus gegebenen Umständen bitten wir Sie um eine vorherige Online-Anmeldung.

VIELEN DANK FÜR IHRE ANTEILNAHME

Es ist schwer, einen geliebten Menschen zu verlieren. Es ist wohltuend, so viel Anteilnahme zu erfahren. Unser besonderer Dank gilt Herrn Pfarrer Hans Mörtter von der evangelischen Lutherkirche in Köln, den Musikern, die der Trauerfeier einen so festlichen Rahmen gegeben haben sowie an die Angehörigen und Freunde.

Dafür danken wir von Herzen, auch wenn der persönliche Abschied am Grab auf dem Melaten Friedhof aufgrund der Corona-Regeln nur mit Abstand bzw. gar nicht möglich war.

Evagelia und Markus Schmale

Irmgard Mayer

Nehmen Sie hier Abschied von Prof. Ulrich Findeisen

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Kurt Quernheim schrieb am 20. Dezember 2020 um 21:18
Die Nachricht vom Ableben Professor Ulrich Findeisen hat mich sehr betroffen und traurig gestimmt. Mein Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Freunden.
Mit dem Verstorbenen lernte ich seinerzeit einen Menschen kennen und schätzen, mit dem sich ein zunächst rein dienstliches Verhältnis in ein enges partnerschaftliches, ja letztlich freundschaftliches entwickelte.
Ungewöhnlich dabei der Weg von Professor Findeisen vom Planer des gescheiterten Objektes eines privaten Investors hin zu einem großzügigen Stifter und fachkundigen Berater der Stadt.
Diese unglaubliche Spende des Neubaus einer Musikschule durch die von Professor Findeisen und seiner Frau gegründete Stiftung war der dringend benötigte Impuls und der Grundstein für die lange herbeigesehnte Entwicklung der Löhner Innenstadt.
Besonders gefreut hat mich deshalb die Ernennung von Professor Findeisen zum Ehrenbürger der Stadt Löhne im Jahre 2014.
Für mich bleibt die Erinnerung an eine beeindruckende Persönlichkeit.

In stillem Gedenken.

Kurt Quernheim
Bürgermeister a.D.
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